#242 - Dopaminsucht & Social Media: Wir verlieren die Fähigkeit, selbst zu denken (mit Madlen Haß)
Shownotes
Dopamin ist einer der stärksten neurobiologischen Antriebe unseres Gehirns - und gleichzeitig eine der größten unsichtbaren Ursachen moderner Probleme und Ablenkungen. In einer Welt voller Social Media, Smartphones und digitaler Dauerreize kämpfen viele Menschen täglich mit Konzentration, Fokus und Selbstkontrolle - und die "Attention Economy" um unsere Aufmerksamkeit.
Wir greifen „nur kurz“ zum Handy und verlieren uns in Social Media, YouTube oder Netflix. Dabei geht es nicht einfach um mangelnde Disziplin, sondern um einen tief verankerten Mechanismus: Unser Gehirn ist auf kurzfristige Belohnung (Dopamin) ausgerichtet. Genau diesen Effekt nutzen Social Media Plattformen, Tech-Konzerne und die Attention Economy gezielt aus.
Das Ergebnis ist eine Umgebung, die permanent um unsere Aufmerksamkeit konkurriert - durch Apps, Push-Nachrichten, Streamingdienste und algorithmisch optimierte Inhalte.
Das Problem daran: Wir trainieren unbewusst genau die Muster, die langfristige Stabilität erschweren - also Reiz, dann Reaktion, dann sofortige Belohnung.
Doch was bedeutet das für unsere Fähigkeit, in einer komplexen, digitalen und zunehmend unsicheren Welt klar zu denken, bewusst zu handeln und langfristig stabil zu bleiben?
In dieser Folge spreche ich mit Madlen Haß – Pädagogin, Unternehmerin und Mutter über Dopamin, Dopaminsucht, digitale Ablenkung und die Frage, wie echte Selbststeuerung in einer reizüberfluteten Welt möglich ist.
Wir sprechen konkret darüber:
- wie Dopamin unser Verhalten im Alltag steuert
- wie Social Media, Smartphones und Apps auf maximale Aufmerksamkeit optimiert sind und was das mit unserer mentalen Gesundheit macht
- wie wir den Raum zwischen Reiz und Reaktion wieder vergrößern können
- warum mentale Stabilität, mentale Gesundheit und Resilienz in der digitalen Welt immer wichtiger werden
- und weshalb Selbststeuerung eine zentrale Zukunftskompetenz ist - für Erwachsene und Kinder gleichermaßen
Wenn du verstehen willst, warum Selbstkontrolle heute weniger mit Disziplin und mehr mit psychologischer und digitaler Umgebungsgestaltung zu tun hat, ist diese Folge für dich.
Madlen Haß & ihre Schule findest du hier: www.schlausitz.de
Schreib mir gern: post@ronnywagner.com
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Transkript anzeigen
00:00:00: Ich will nur kurz aus Handy schauen und plötzlich sind dreißig Minuten weg.
00:00:05: Ich will mich um meine Zukunft kümmern, und lande stattdessen abends bei Netflix.
00:00:09: Das fühlt sich manchmal wie meine Entscheidung an – ist es aber auch nicht!
00:00:14: Denn mein Gehirn belohnt nicht die beste Entscheidung … Es belohnte schnellste Erleichterung… Und genau dort setzt unsere moderne Welt an.
00:00:22: Große Unternehmen, KI-Firmen und politische Parteien kennen diese Schwachstelle und nutzen sie
00:00:28: gezielt.".
00:00:29: Und wir?
00:00:30: Wir haben oft schon als Kinder nicht gelernt, den Moment zwischen Reiz und Reaktion auszuhalten – und lassen uns leichter von unserem Belohnungssystem steuern, als uns lieb ist.
00:00:41: Darüber spreche ich heute wieder mit Madeleine Haas, Pädagogin, Unternehmerinnen und Mutter.
00:00:47: Ganz konkret geht es darum wie unsere biologische Veranlagung von Firmen und politischen Akteuren ausgenutzt wird Warum selbst reflektierte Menschen immer wieder in diese Falle tappen wie wir echte innere Unabhängigkeit erlangen, für uns selbst und unsere Kinder.
00:01:04: Und warum das im technischen Zeitalter für uns Menschen so entscheidend ist?
00:01:08: Gerade wenn du zu denen gehörst die denken ich habe das System durchschaut und entscheide unabhängig solltest du diese Folge unbedingt anhören!
00:01:20: Viele Menschen halten sich für aufgeklärt reflektiert und hinterfragen das System.
00:01:25: Ich denke, da würden wir zwei uns auch dazu zählen, Madeleine.
00:01:29: Und viele der Menschen die hier zuhören.
00:01:32: oft ist es aber trotzdem so dass wir so handeln wie wir es eigentlich nicht wollen.
00:01:37: warum ist das so?
00:01:38: madeleine?
00:01:39: ja wichtig hallo rony erst mal ist mir zu sagen dass es wirklich jeden von uns betrifft dieses gefühl eigentlich zu wissen, was gut für ein wäre und dann trotzdem anders zu handeln.
00:01:53: Ein großer Faktor dabei sind die vielen schnellen Reize den wir heute ja ständig ausgesetzt sind Dinge wie kurze Videos oder Serien.
00:02:03: Die geben uns sofort kleine Belohnungen.
00:02:05: unser Gehirn schüttet Dopamin aus Und wir fühlen uns dann kurzfristig gut.
00:02:11: Das Problem aber dabei ist diese schnellen Belohnung sind oft stärker und unmittelbarer als langfristige Ziele.
00:02:20: Gleichzeitig wird aber genau der Teil in unserem Gehirn, der für bewusste Entscheidungen und Selbstkontrolle zuständig ist also der präfrontale Cortex abgeschwächt.
00:02:32: Und das wiederum heißt wir handeln schneller impulsiv damit weniger reflektiert obwohl wir es eigentlich besser wissen.
00:02:42: ich finde dass spannende dabei ist.
00:02:44: evolutionär gesehen War das mal total sinnvoll?
00:02:48: Schnelle Reaktionen auf Reize, ob jetzt eine Gefahr oder Belohnung.
00:02:52: Und das hat unser Überleben gesichert.
00:02:54: Wer sofort reagiert hat, der hatte einen Vorteil.
00:02:57: Heute aber leben wir ja in einer komplett anderen Umwelt und genau dieser uralte Mechanismus wird inzwischen ganz gezielt angesprochen und leider auch ausgenutzt.
00:03:11: Deshalb ist es ... kein persönliches Versagen, sondern ein Zusammenspiel aus Biologie, Gewohnheiten und natürlich dem Umfeld.
00:03:21: Die entscheidende Frage ist wie schaffen wir es wieder bewusster die Kontrolle zu übernehmen?
00:03:29: Wir haben uns ja an vielen Lebensbereichen zivilisiert und kultiviert.
00:03:33: Warum sind wir da noch so abhängig vom Reptilen gehören?
00:03:37: Ich glaube der zentrale Punkt ist Zivilisation Und auch die Bildung haben uns zwar enorm weitergebracht, aber sie wirken eher auf der bewussten Ebene.
00:03:48: Also dort wo wir reflektieren und wo wir einordnen, wo wir verstehen.
00:03:54: Der sogenannte schnelle Teil in uns dieser automatischen und auch evolutionär sehr alten Reaktionsmuster läuft aber deutlich tiefer und schneller ab.
00:04:09: kommt Bildung eben nur begrenzt hin.
00:04:12: Das heißt nicht, dass wir diesen Teil nicht beeinflussen können aber wir können ihn einfach nicht so weglernen.
00:04:18: er ist sozusagen immer zuerst da bevor wir Mitverstand eingreifen können.
00:04:24: was wir also realistischerweise tun können?
00:04:27: Wir schaffen kleine Zwischenräume zwischen Reiz und Reaktion Also diesen ganz kurzen Moment in dem wir nicht sofort reagieren sondern einmal wahrnehmen Was passiert hier gerade eigentlich mit mir?
00:04:40: Will ich wirklich so handeln oder werde ich automatisch nur
00:04:44: gezogen?".
00:04:46: Diese kleinen Pausen sind entscheidend.
00:04:49: Sehr gut, das klingt ja ziemlich stoisch!
00:04:52: Die Sturike haben ja bewusst gesagt wenn man also eine Frage beantwortet dass man erst mal nicht sofort mit der Antwort kommt sondern so drei Sekunden vergehen lässt um einfach mal genau die von dir beschwingende Pause einzubauen.
00:05:04: Trotzdem ist es ja für viele Menschen so, dass diese Pausen ziemlich schwer auszuhalten sind.
00:05:10: Ich erinnere mich dann noch sehr gut an meine Töchter die sind jetzt groß aber als sie noch klein waren wenn sie warten mussten oder etwas nicht sofort geklappt hat oder wenn sie irgendwas nicht sofort bekommen haben dann begann dieses Quengeln und manchmal auch ein Wutanfall.
00:05:25: das beobachte ich ab und zu heute noch zwar am kleinen aber es fällt mir natürlich noch auf wie siehst du das?
00:05:33: Das ist ein richtig gutes Beispiel, weil man es bei Kindern extrem klar beobachten kann.
00:05:39: Kinder sind im Alltag mit kleinen Momenten von Langeweile oder Warten oder Frustration ständig konfrontiert.
00:05:48: Das ist erstmal ganz normal aber ihr System lernt ja auch gerade erst mit der Welt umzugehen und dann gibt es zwei Richtungen wie darauf reagiert werden kann.
00:06:00: Wenn dieses unangenehme Gefühl sofort gelöst wird, zum Beispiel durch Ablenkung oder es gibt ein Bildschirm wie's heute ist oder etwas Süßes.
00:06:10: Dann lernt das Gehirn ziemlich schnell unangenem?
00:06:14: Ich brauche sofort eine Belohnung oder eine schnelle Lösung.
00:06:17: Das schafft kurzfristig Ruhe verstärkt aber genau diesen Automatismus.
00:06:22: wenn ein Kind hingegen erlebt dass es dieses Gefühl kurz aushalten kann Passiert nämlich was anderes.
00:06:31: Es baut dann genau die Fähigkeit auf, die wir später im Leben ständig brauchen.
00:06:36: Nämlich nicht jedem Impuls sofort zu folgen sondern zwischen Gefühl und Handlung einen bewussten Moment einzuschieben.
00:06:47: Das nennt man dann Frustrationstoleranz Und genau die ist ein zentraler Baustein für Selbststeuerung im erwachsenen Leben.
00:06:57: Du hast das ja gerade für Kinder beschrieben, das gilt aber auch für viele Erwachsene – das ist ja jetzt nicht auf das Kindesalter beschränkt!
00:07:03: Ich kenne besonders viele Beispiele natürlich aus meinem Finanzkontext.
00:07:08: zu mir kommen ja häufig Menschen in die Nobel-Metall Factory weil sie unter Druck stehen zum Beispiel wegen des geplanten EU Vermögensregisters.
00:07:14: Das höre ich in letzter Zeit sehr häufig.
00:07:16: oder die Sorge um die Rente oder Inflation oder einfach wegen dem flauen Gefühl im Bauch weil sie das Gefühl haben, dass das System sich verändert oder vielleicht sogar umkippt.
00:07:27: Sie wollen dann immer sofort was machen?
00:07:28: Sie wollen ihr gesamtes Vermögen umschichten, ihre Sparbücher leer räumen oder was weiß ich nicht noch und unbedingt dann investieren.
00:07:35: Und ich sage dann immer Moment, Moment!
00:07:37: Lass uns Schritt für Schritt in Ruhe an das Thema rangehen und erstmal überlegen – Was ist denn jetzt der nächste
00:07:43: Schritt?!
00:07:44: Jede Entscheidung muss zu dir und deiner Situation passen.
00:07:47: Das ist ja ganz wichtig, wir können ja keine Schnellschüsse machen nur weil wir jetzt irgendwie so ein ungutes Gefühl haben Und das Ganze muss natürlich auch noch Jahrzehnte oder sogar noch länger tragen.
00:07:57: Es geht hier nicht um kurzfristige Erleichterung.
00:08:00: Entscheidungen die nur dafür da sind diesen Druck sofort loszuwerden.
00:08:04: Die sind selten, die klugen.
00:08:05: Das habe ich zumindest in meinen letzten dreißig Jahren gelernt.
00:08:08: Würdest du das unterschreiben?
00:08:09: Ja, das würde ich unterschrieben.
00:08:10: Das gilt tatsächlich genauso für Erwachsenen nicht nur für Kinder und im Finanzkontext wird das ganz besonders sichtbar weil dort wie du da schon gesagt hattest Emotionen wie Unsicherheit Angst oder Druck sehr stark getrickert werden.
00:08:25: Und genau in solchen Momenten entsteht oft dieser Impuls.
00:08:29: Ich muss sofort etwas tun Umschichten Wie Du gesagt hast investieren reagieren einfach um dieses unangenehme gefühlos zu werden.
00:08:37: Und dabei ist dieser innere Druck zwar real spürbar, aber eben nicht automatisch ein verlässlicher Ratgeber.
00:08:46: Und genau das ist dann auch der entscheidende Punkt – diese Phase muss man aushalten können!
00:08:53: Frust, Angst, Unsicherheit oder Dringlichkeit sind nur erst mal Gefühle.
00:08:59: Nichts bin eine objektive Wahrheit.
00:09:02: Wenn allerdings in der Entwicklung wenig Frustrationstoleranz aufgebaut wurde, dann greift das System schneller auf den alten Modus zurück.
00:09:12: Ich muss sofort handeln um dieses unangenehme Gefühl zu
00:09:17: beenden.".
00:09:17: Okay verstanden!
00:09:18: Woher weiß ich denn ob es jetzt eine selbstbestimmte oder selbstbewusste Entscheidung von mir ist?
00:09:24: Oder eine Kurzschlussreaktion meines
00:09:27: Reptiliengehörns?!
00:09:29: Das ist eine sehr gute und gleichzeitig aber auch sehr herrliche Frage, weil sich beides im Moment oft erstaunlich ähnlich anfühlen kann.
00:09:39: Ein erster Hinweis ist die innere Qualität des Impulses.
00:09:43: Kommt eher mit Druck oder dem Gefühl ich muss jetzt sofort handeln?
00:09:49: Dann spricht das für eine automatische reaktive Entscheidung.
00:09:53: Selbstbestimmte Entscheidungen haben eine ganz andere Qualität.
00:09:58: Sie fühlen sich ruhiger, klarer an und vor allem sie bleiben stabil.
00:10:04: Wenn man sie ein paar Stunden oder Tage oder Wochen später nochmal betrachtet dann wirken sie immer noch stimmig nachvollziehbar.
00:10:13: Aber Madeleine das Problem tritt ja auch selbst für Menschen zu die sich für reflektiert hinterfragend und diszipliniert halten richtig?
00:10:22: Ja!
00:10:23: Was ist denn hier das Problem?
00:10:24: Wo liegt dir die Falle?
00:10:25: Hier liegt eine der größten Fallen Und die betrifft nämlich genau die Menschen, wie du es schon gesagt hast.
00:10:31: Die sich als reflektiert, diszipliniert und natürlich auch rational verstehen.
00:10:37: In der Realität sind sogenannte vernünftige Entscheidungen selten rein rational.
00:10:43: Meistens steckt darunter ein emotionales Bedürfnis zum Beispiel nach Kontrolle, nach Sicherheit oder einfach der Wunsch, die Unsicherheit möglichst schnell zu beenden.
00:10:57: Die Falle entsteht dann in dem Moment, in dem Druck im Spiel ist.
00:11:01: Und das Stress nämlich wird aus diesem emotionalen Impuls eine Entscheidung gemacht die sich im Nachhinein logisch und gut begründet anfühlt.
00:11:12: Das Gehirn baut also dann sozusagen eine rationale Geschichte darum um diese eigentlich emotional getriebene Handlung.
00:11:23: Es sich im Moment selbst sehr klar und richtig anfühlen kann.
00:11:27: Und erst später zeigt sich, dass diese eigentliche Motivation nicht Ruhe- und Weitsicht war sondern einfach nur eine schnelle Reduktion von dem inneren Druck.
00:11:41: Gerade bei diesen reflektierten Menschen ist das schwer zu erkennen weil die nämlich sehr gut darin sind ihre Entscheidungen im Nachhinein logisch zu erklären.
00:11:52: Und genau deshalb ist die entscheidende Frage weniger, ist das logisch?
00:11:57: Sondern eher wie bin ich innerlich in diese Entscheidung reingekommen.
00:12:02: Eher aus Ruhe oder aus Druck.
00:12:05: Hast du ein Beispiel dafür?
00:12:07: Ich nehme dir mal einen Beispiel aus dem größeren Kontext weil man daran diesen Mechanismus sehr gut sehen kann.
00:12:14: Gehen wir einmal in die politischen und gesellschaftlichen Situationen.
00:12:18: dort lässt sich oft beobachten dass sich Menschen von einer Erzählung besonders dann stark hingezogen fühlen, wenn sie sich dadurch bestätigt fühlen.
00:12:29: Wenn jemand sehr kritisch auf bestehende Systeme schaut und dann eine Stimme auftaucht die genau diese Kritik aufgreift.
00:12:37: Dann entsteht ja schnell das Gefühl endlich sagt das jemand mal so wie es wirklich ist.
00:12:42: Dieses Gefühl von Klarheit und Durchblick ist extrem belohnt.
00:12:48: Also in diesem Moment passiert oft was ganz Interessantes, die Bereitschaft weiter differenziert zu prüfen nimmt ab.
00:12:54: Nicht weil die Menschen unvernünftig wären sondern weil das emotionale Bedürfnis nach Bestätigung bereits erfüllt ist.
00:13:02: und wenn sich später zeigt dass Erwartungen nicht vollständig eintreten oder komplexer sind als angenommen beginnt dann häufig ein zweiter Mechanismus.
00:13:13: nehme ich jetzt der Rationalisierung Statt also die eigene Einschätzung grundsätzlich zu hinterfragen, werden neue Erklärungen gefunden.
00:13:23: Die das ursprüngliche Gefühl wieder schützen und das innere Bild stabil halten.
00:13:28: Viele dieser politischen und gesellschaftlichen Bewegung nutzen genau diesen Effekt nämlich aus.
00:13:33: sie reduzieren komplex Realität auf klare leicht verständliche Narrative Und sprechen dann gezielt Emotionen wie Unsicherheiten Ärger oder Kontrollverlust an.
00:13:48: Das Paradoxe daran ist, genau dieses starke Gefühl von jetzt habe ich es verstanden – ist oft der Moment in dem die kritische Distanz am geringsten ist und gerade deshalb ist es so wirksam und gleichzeitig auch so leicht zu
00:14:05: beeinflussen.".
00:14:05: Da
00:14:06: hast du völlig recht!
00:14:08: Wo macht sich denn unser System?
00:14:09: Unser gesellschaftliches System das noch zu
00:14:11: nutzen?!
00:14:12: Das passiert tatsächlich an sehr vielen Stellen im Alltag.
00:14:16: Eigentlich immer dort, wo Aufmerksamkeit, Impulse oder auch schnelle Entscheidungen wirtschaftlich wertvoll sind.
00:14:23: Bei Kindern sieht man das besonders direkt.
00:14:26: Im Supermarkt stehen Produkte mit vielen bunten Verpackung, Figuren und starken Farmen oft auf Augenhöhe.
00:14:33: Häufig sind das stark zuckerhaltige Produkte?
00:14:37: Natürlich!
00:14:38: Und das ist kein Zupal.
00:14:40: Das ist genau so gestaltet.
00:14:42: Bei Erwachsenen läuft das gleiche Prinzip nur deutlich subtiler, digitale Plattform sind genau darauf optimiert unser Belohnungssystem immer wieder anzusprechen.
00:14:52: Jeder Swipe jedes Like oder jede neue Benachrichtigung ist ein kleiner Reiz der kurzfristig Aufmerksamkeit bindet und natürlich ein gutes Gefühl auslösen kann.
00:15:03: Besonders wirksam dabei ist ein ganz bestimmtes Muster die Belohnung kommt nicht regelmäßig sondern unvorhersehbar.
00:15:12: Und genau diese Mischung sorgt dafür, dass wir besonders lange dabei bleiben.
00:15:18: Wir reagieren nur noch auf den Impuls statt selber eine Entscheidung zu treffen.
00:15:22: Antifragilität und innere Freiheit bedeutet aber genau das Gegenteil nämlich den Impulz auszuhalten die Spannung so stehen zu lassen und gerade dadurch dann stärker zu werden.
00:15:33: Das ist ja auch eines meiner Ziele, die ich mit diesem Podcast hier verfolge.
00:15:38: Ich möchte einfach dazu beitragen, dass immer mehr Menschen Orientierung in diesen unsicheren Zeiten finden und das Ganze natürlich unabhängig von Systemen und äußeren Umständen.
00:15:49: Dass sie eben dieses Chaos und diese Krisen davon profitieren, dass sie daraus gestärkt hervorgehen – das ist mein Wunsch und mein Ziel!
00:15:56: Nun frage ich mich aber, packe ich sie da vielleicht an der falschen Schwachstelle wenn ich das so höre.
00:16:01: Wenn ich hier nehme im Podcast über das mögliche Ende unseres Finanzsystems oder Schwarzen Schwenen rede?
00:16:06: Also ich nehme dein Podcast ehrlich gesagt nicht als Angst getrieben war.
00:16:10: Im Gegenteil!
00:16:12: Ich sehe, höre du arbeitest in vielen Momenten sachlich ordnest ein und betonst auch immer wieder dass Menschen sich die Dinge in Ruhe anschauen.
00:16:24: Genau darin kann man die Antwort auch gut festmachen.
00:16:27: Es kommt also stark darauf an, wie Themen grundsätzlich präsentiert werden.
00:16:33: Wenn Inhalte sehr stark mit Angst und Zuspitzung oder Endzeitlogik arbeiten dann wird dem Menschen natürlich auch schnell ein bestimmter Mechanismus aktiviert.
00:16:45: Hier liegt der entscheidende Punkt.
00:16:47: Das Gehirn will diesen Zustand möglichst schnell reduzieren.
00:16:52: Wenn Inhalte dagegen Raum lassen, nicht ständig eskalieren und nicht permanent dramatisieren passiert nämlich was ganz anderes.
00:17:03: Es entsteht mehr Zeit zwischen Reiz- und Reaktion Und genau in diesem Zwischenraum kann überhaupt erst echte bewusste Entscheidung entstehen.
00:17:15: Das Problem ist nur dieser Raum ist weniger unmittelbar aktivierend Damit natürlich auch weniger klickstark.
00:17:24: Deshalb funktionieren zugespitzte Inhalte im digitalen Raum so extrem gut, nicht unbedingt weil sie eben die bessere Wahrheit liefern sondern weil Sie einen sehr direkten Zugriff auf unser Nervensystem haben.
00:17:38: Madin du bist ja Schulleiter in einer privaten Grundschule, die sich besonders auf die Fahne geschrieben hat Kinder zu eigenständigen selbstbewussten verantwortungsvollen Persönlichkeiten heranzubilden.
00:17:51: Wie geht ihr denn in eurer Schule mit diesen Räumen von Lehre, Langeweile etc.
00:17:57: um und wie bringt dir den Kindern bei Eigeninitiativ zu werden?
00:18:02: In unserer Schlausitzgrundschule ist... Dieser Punkt tatsächlich ein ganz zentraler Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit.
00:18:10: Wir arbeiten bewusst mit Situationen, in denen die Kinder nicht sofort eine Lösung oder eine permanente Beschäftigung von außen bekommen sondern sie bekommen erst mal einen sogenannten offenen Raum.
00:18:25: Das kann ganz simpel sein Ein Moment im Unterricht indem eben nicht sofort die nächste Aufgabe kommt oder eine Phase im Freien arbeiten, in der eben nicht alles vorstrukturiert ist.
00:18:38: Oder auch Konflikte im Alltag die eben nicht sofort von Erwachsenen gelöst werden sondern in denen die Kinder lernen selbst eine Lösung zu finden.
00:18:48: und diese Momente wirken auf den ersten Blick für Außenstehenden manchmal wie Lehre oder Langeweile.
00:18:55: aber genau da passiert der entscheidende Lernprozess.
00:18:59: Kinder müssen diesen Zustand aushalten, statt ihn sofort wegzudrücken und am Anfang ist das ungewohnt.
00:19:06: Manchmal unangenehm für die Kinder aber genau daraus entsteht dann die Eigeninitiative.
00:19:14: Unsere Aufgabe als Schule ist es dabei also nicht diese Lehre immer komplett zu vermeiden sondern diese auch pädagogisch zu halten Also den Rahmen zu geben in dem Kinder sich sicher genug fühlen um nicht sofort in Reaktion oder Ablenkung zu gehen, sondern selbst erst mal aktiv zu werden.
00:19:36: Und Erwachsene?
00:19:37: Was können die lernen und was können sie daraus ziehen und Schluss folgern?
00:19:41: Für Erwachse bedeutet das zuerst überhaupt wieder ein Gefühl dafür zu entwickeln, was eigenes selbst erzeugtes Dopamin ist!
00:19:53: Also das gute Gefühl, dass entsteht wenn man etwas wirklich selbst gestaltet oder abgeschlossen hat.
00:20:00: Das kann ganz schlicht sein Bewegung ein echtes Gespräch ohne Nebenbeiablenkung einfach etwas in Ruhe fertig machen oder sich in ein Thema so vertiefen, dass am Ende ein wirklich sichtbares Ergebnis entsteht.
00:20:16: Bei Kindern sieht man das sehr klar Wenn Sie freispielen, etwas bauen oder malen wie bei uns in der Schule oder draußen aktiv sind.
00:20:25: dort entsteht ein anderes inneres Erleben.
00:20:28: Ich kann etwas ich gestalte etwas ich bewirke etwas.
00:20:32: das ist ein grundlegendes stabiles Gefühl von Selbstwirksamkeit und dass braucht nicht ständig Neureize.
00:20:39: Und genau hier kommt nämlich die Vorbildfunktion ins Spiel.
00:20:42: wenn erwachsen nämlich ständig in schnellen Reaktionsmustern sind Handy, Ablenkung oder sofortige Bedürfnisbefriedigung wird genau das als normal abgespeichert.
00:20:53: Wenn Sie aber dagegen sehen dass wir als Erwachsene Dinge bewusst tun auch mal aushalten etwas zu Ende bringen und auch einfach mal Leerlauf zulassen entsteht ein ganz anderes Lernfeld.
00:21:08: Für uns Erwachsenen heißt es deshalb du musst nicht immer perfekt sein schaffe wieder kleine Räume, in denen nicht sofort ein äußerer Reiz die Führung übernimmt.
00:21:18: Madein hier schließt sich auch wieder der Kreis zum Prinzip der Antefragilität das eben auch bedeutet gestalterisch mit dem Leben umgehen zu können und immer wieder etwas Neues zu kreieren, etwas neues zu erschaffen.
00:21:28: Kannst du uns abschliessen noch einen Ausblick geben warum Fähigkeiten wie diese gerade im technischen Zeitalter für uns Menschen so entscheidend sind?
00:21:38: Wir
00:21:39: erleben gerade, dass viele kognitive und kreative Aufgaben technisch abgekürzt werden müssen.
00:21:46: Sei es beim Schreiben zum Beispiel, beim Problemlösen oder natürlich beim Einordnen von Informationen.
00:21:54: Tools wie wir es ja auch in der Schule nutzen, ChatGPT machen vieles sofort verfügbar erzeugen damit ein schnelles Gefühl von Lösung und Erfolg ohne dass der eigentliche Denkprozess zwingend durchlaufen werden muss.
00:22:10: Das ist erst mal nicht nur negativ, aber es verändert etwas ganz Entscheidendes.
00:22:16: Wenn wir Aufgaben immer häufiger lösen lassen, fehlt dann der innere Prozess des Rings – das Aushalten von Unsicherheit, das auch Langsame verstehen und das Sortieren von Gedanken.
00:22:34: Genau diese Phasen sind aber eigentlich die, in denen sich die echte Kompetenz und die echten Urteilskraft entwickeln.
00:22:44: Das Risiko liegt deshalb weniger in der Technik selbst sondern in der Gewohnheit sie als Abkürzung für jede Form von Anstrengung dann zu nutzen Und dadurch kann sich eine gewisse Abhängigkeit entwickeln nicht nur im praktischen Sinn sondern eben auch im Denken weniger eigene Orientierung, weniger innere Struktur und damit natürlich weniger kreative Eigenleistung.
00:23:13: In einem technischen Zeitalter in dem vieles verfügbar ist wird diese Fähigkeit besonders wertvoll.
00:23:22: Je mehr Systeme uns Arbeit abnehmen desto wichtiger wird die Fähigkeiten nämlich selbst zu denken, selbst zu bewerten und Entscheidungen zu tragen.
00:23:33: Ein starkes Schlusswort, Madeleine!
00:23:35: In der nächsten gemeinsamen Folge die wir geplant haben in ein paar Wochen machen wir genau an dieser Stelle weiter.
00:23:41: Herzlichen Dank für das Gespräch und ich freue mich auf unser Wiedersehen.
00:23:45: Vielen lieben Dank dass ich wieder dabei sein konnte bis zum nächsten Mal.
00:23:47: Liebe
00:23:47: Grüße, ciao!
00:23:48: Ciao.
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